Der große Umbruch im vertrauten Gewand
Mit dem Ende der G-Serie im Jahr 1989 stand Porsche vor einer der größten Herausforderungen in der Geschichte des 911:
Der Elfer musste technisch grundlegend modernisiert werden – ohne dabei seine Identität zu verlieren.
Die Antwort hieß Porsche 964.
Eine Generation, die oft als „Zwischenmodell“ bezeichnet wird, in Wahrheit jedoch einen der größten Entwicklungssprünge des 911 markiert. Rund 85 % der Bauteile waren Neuentwicklungen, trotzdem blieb die Silhouette unverkennbar 911.
Der 964 ist der Punkt, an dem der klassische Elfer begann, moderne Technik zu integrieren – und genau deshalb heute bei Kennern besonders geschätzt ist.
Neue Technik, vertraute Form
Das erste Modell der neuen Generation war der Carrera 4.
Erstmals in der Geschichte des 911 verfügte ein Serienmodell über Allradantrieb und ABS. Beides serienmäßig. Ein klares Signal, dass Porsche den Elfer in Richtung Fahrstabilität, Sicherheit und Alltagstauglichkeit weiterentwickeln wollte.
Optisch blieb der 964 nah an der G-Serie, technisch war er jedoch ein Quantensprung. Die Stoßstangen bestanden nun aus verformbarem Kunststoff und waren harmonisch in die Karosserie integriert. Die Linien wirkten glatter, moderner – ohne ihre Herkunft zu verleugnen.
Bei den Modellen ohne Turbolader kam erstmals ein automatisch ausfahrbarer Heckspoiler zum Einsatz – ein funktionales Detail, das Aerodynamik und Design miteinander verband.
Von Beginn an war der 964 als Coupé, Targa und Cabriolet erhältlich. Im späteren Verlauf ergänzte Porsche die Baureihe um eine Speedster-Variante, die den puristischen Charakter der Generation unterstrich.
Carrera 4 – der technologische Auftakt
Der Carrera 4 markierte den Start der 964-Baureihe.
Angetrieben wurde er von einem komplett neu entwickelten 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor mit 250 PS. Die Kraft wurde über ein neu konzipiertes Allradsystem verteilt, das dem 911 ein bis dahin unbekanntes Maß an Traktion verlieh.
Für viele war der Allrad-Elfer zunächst gewöhnungsbedürftig – aus heutiger Sicht legte er jedoch den Grundstein für die späteren Carrera-4-Modelle aller folgenden Generationen.
Carrera 2 – der klassische Purist
Ab dem Modelljahr 1990 war der Carrera 2 mit reinem Heckantrieb erhältlich.
Technisch identisch motorisiert wie der Carrera 4, bot er das vertrautere Fahrgefühl für Puristen: direkter, leichter, klassischer 911.
Bis heute gilt der Carrera 2 als einer der fahraktivsten 964 und ist besonders bei Enthusiasten beliebt, die bewusst auf Allrad verzichten.
Turbo 3.3 und Turbo S – brachiale Leistung
1991 folgte der 911 Turbo 3.3.
Optisch deutlich an der breiten Karosserie und dem markanten Heckflügel zu erkennen, griff Porsche beim Design noch stark auf das G-Modell zurück. Der luftgekühlte 3,3-Liter-Boxer leistete 320 PS – angetrieben wurden ausschließlich die Hinterräder.
Ein Jahr später setzte Porsche noch einen drauf: der Turbo S.
Mit verbesserten Turboladern stieg die Leistung auf 380 PS. Damit war er der stärkste straßenzugelassene 911 seiner Zeit.
Besonders begehrt sind die Leichtbau-Versionen, von denen lediglich 86 Exemplare entstanden. Der Turbo S war zudem im Rennsport erfolgreich: Einsätze in der IMSA Super Car Serie führten 1991 und 1992 zu zwei Meistertiteln – ein seltener Spagat zwischen Rennwagen und Straßenfahrzeug.
Turbo 3.6 – der letzte seiner Art
Zum Modelljahr 1992/93 ersetzte Porsche den 3,3-Liter-Turbo durch einen 3,6-Liter-Turbomotor. Die Leistung stieg auf 360 PS, die Karosserie blieb weitgehend unverändert.
Eine Turbo-S-Version gab es nicht mehr. Dennoch war auch dieser Turbo im Rennsport erfolgreich und gewann 1993 erneut die IMSA Super Car Serie.
Carrera RS – Rennsport mit Kennzeichen
Der Carrera RS entstand als Homologationsmodell für den neu eingeführten Porsche Carrera Cup.
Der Fokus lag kompromisslos auf Leichtbau und Fahrdynamik. Schalensitze, Stoffschlaufen statt Türgriffe, kein Radio, keine Klimaanlage, kein Airbag – alles, was nicht der Performance diente, wurde weggelassen.
Das Fahrwerk lag 40 mm tiefer, die Bremsanlage kombinierte Komponenten aus dem Turbo und dem Cup-Rennwagen. Der Carrera RS war damit nahezu ein Cup-Auto mit Straßenzulassung – ein Konzept, das bis heute die DNA der RS- und GT-Modelle prägt.
Carrera Cup – der 964 im Markenpokal
1990 startete der Porsche Carrera Cup mit dem 964 als Einsatzfahrzeug.
Basierend auf dem Carrera 2, leisteten die Cup-Autos zunächst 15 PS mehr als die Straßenversion. Leerer Innenraum, Überrollkäfig, Rennfahrwerk und leistungsfähige Bremsen machten aus dem Elfer einen echten Rennwagen.
1992 stieg die Leistung auf 275 PS. Der Carrera Cup entwickelte sich schnell zu einer internationalen Plattform zur Nachwuchsförderung. Erster Meister: Olaf Manthey – ein Name, der bis heute untrennbar mit Porsche verbunden ist.
Turbo S GT LeMans – Langstrecken-Ikone
Für den Langstreckensport entstand 1993 der 911 Turbo S GT LeMans.
Ein 3,2-Liter-Bi-Turbo-Motor mit 475 PS machte ihn zu einem der stärksten GT-Rennwagen seiner Zeit. Optisch näher am Porsche 934 als an einem Serien-911, überzeugte er sofort.
Bereits beim Debüt gewann der GT LeMans seine Klasse bei den 12 Stunden von Sebring. Pilotiert wurde er von Legenden wie Walter Röhrl, Hans-Joachim Stuck und Bob Wollek.
RS und RSR 3.8 – der würdige Abschluss
1993 entwickelte Porsche die 964-Baureihe im GT-Sport weiter.
Der Carrera RS 3.8 und der RSR 3.8 stellten das absolute Topmodell dar. Mit 350 PS, verbreiterter Karosserie und kompromissloser Auslegung feierte der RSR große Erfolge:
Mit diesen Modellen endete die Produktionszeit des Porsche 964.
Werkstatt-Fazit: Der 964 heute
Der Porsche 964 ist weit mehr als ein „Zwischenmodell“.
Er verbindet klassische 911-Gene mit moderner Technik und markiert den Übergang in eine neue Ära. Aus Werkstattsicht sind gepflegte 964 außergewöhnlich langlebig – vorausgesetzt, Wartung und Instandhaltung erfolgen fachgerecht.
Unser Anspruch als Porsche-Werkstatt ist es, diese Generation nicht nur zu erhalten, sondern sie technisch und emotional in die Zukunft zu begleiten.
FAQ – Porsche 964
Ist der Porsche 964 alltagstauglich?
Der Porsche 964 ist trotz seines Alters alltagstauglich, sofern er technisch gut gewartet ist. Fahrwerk, Bremsen und Heizung sind deutlich moderner als bei früheren 911-Generationen, dennoch bleibt er ein klassischer Sportwagen mit entsprechendem Anspruch an Pflege.
Welche Schwachstellen sind beim 964 bekannt?
Typische Themen sind Ölundichtigkeiten, Fahrwerksbuchsen und die Zylinderkopfdichtungen bei frühen Modellen. Ein fachgerecht instandgesetzter 964 gilt jedoch als sehr langlebig.
Schaltgetriebe oder Tiptronic – was ist besser?
Der Handschalter bietet das klassischere Fahrerlebnis und ist bei Sammlern gefragter. Die Tiptronic ist komfortabler, aber weniger emotional.
Hat der Porsche 964 Potenzial als Wertanlage?
Unverbastelte Fahrzeuge mit Originalzustand und nachvollziehbarer Historie gelten bereits heute als begehrte Klassiker mit stabilem Wert.
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