Die Legende der Gruppe-C Sportwagenweltmeisterschaft! Im ikonischen Design präsentiert sich dieser Porsche 962. Einer der letzten seiner Art, dennoch nicht weniger imposant als seine Vorgänger. Ihr wollt mehr über dieses Projekt aus unserer Porsche-Werkstatt erfahren? Dann seid ihr hier genau richtig!
Was sich hier über ein Jahr lang in den Hallen unserer Porsche-Werkstatt versteckte, stellt etwas ganz Besonderes dar.
Komplett in Orange gehüllt stellte sich uns das Fahrzeug nach jahrelanger Standzeit vor. Der technische Zustand? Trotz wenig Renneinsätzen in der Gruppe-C-Weltmeisterschaft: mangelhaft!
Dieser Jägermeister-Porsche 962C war ein Chassis des schweizer Rennstalls Brun Motorsport, daher der Zusatz „BM“. Anstatt eines Aluminium-Monocoques setzte Brun in Zusammenarbeit mit der englischen Firma John Thompson’s TC Prototypes als einer der ersten auf ein Monocoque aus kombiniertem Aluminium und Kohlefasergewebe. Dies gab den Brun-Autos mehr Steifigkeit gegenüber den Werksautos. Die Motoren stammten trotz des außer Haus produzierten Chassis von Porsche direkt. Durch ein High-Downforce-Kit hob sich dieser 962 von früheren Modellen optisch sowie performancetechnisch ab. Ein abgesetzter Spoiler sowie Flaps an der Front sorgen für noch mehr Abtrieb. Durch die Auslieferung im Jahr 1990 kam dieser 962 auf gerade einmal 10 aktive Renneinsätze in der Gruppe C, darunter Einsätze in Mexiko, Japan und verschiedene Rennen in Europa. Die beste Platzierung war ein 8. Platz beim 480-km-Rennen in Silverstone 1990. Durch zunehmende Konkurrenz von Jaguar und Mercedes war die komplette Dominanz des Porsche 962 vorerst beendet. Die Anpassung des Reglements hin zur Formel-1-Technik machte dieser Rennserie dann 1993 endgültig den Gar aus. Privatteams waren nicht mehr in der Lage, Sportwagen mit Formel-1-Motoren wirtschaftlich einzusetzen. So ist es nicht verwunderlich, dass dieser Porsche 962 schon 1991 seine Rennkarriere hinter sich hatte. Allerdings, und das ist explizit zu erwähnen, ohne einen großen Unfall. Damit war dieses Chassis besonders geeignet, um an historischen Rennsportveranstaltungen teilzunehmen. Und genau das war der Fall. Im Vorbesitz unseres Kunden wurde der 962 unter anderem in Spa und Zandvoort bei historischen Veranstaltungen eingesetzt. Im Jahr 2017 endete dann auch die zweite Karriere des Gruppe-C-Sportwagens, und er wurde abgestellt.
Bis 2023… Hier kommen wir ins Spiel!
Der Rennwagen kam für eine komplette Durchsicht zu uns. Ähnlich wie schon beim Porsche 911 SCRS überprüften wir jede Kleinigkeit. Nachdem wir uns einen Überblick über den Zustand machen konnten, war klar, dass einiges an Arbeit auf uns zukommen würde. So war der Rennwagen nämlich nicht fahrbereit.
Also ging der 962 auf eine eigens für Rennwagen gemachte Hebebühne in unsere Porsche-Werkstatt. Als Allererstes mussten die ganzen Verkleidungsteile weichen, um die Technik freizulegen. Bei genauerer Betrachtung des über 600 PS starken Sechszylinder-Turbomotors wurde uns bewusst, dass unser gesamtes Wissen zur Materie 962 notwendig sein wird.
Wir können mit Stolz behaupten, dass wir zwei Mechaniker mit Gruppe-C-Erfahrung an Porsche 962 mit an Bord hatten. Damit waren ein ausreichender Informationsfluss sowie technisches Know-how jederzeit gegeben. Damit dieses immense Wissen auch der Zukunft erhalten bleibt, waren auch unsere wissbegierigen jungen Werkstattgesellen und Auszubildenden in das Projekt involviert.
Nach einer Bestandsaufnahme der Technik wurde entschieden, dass nur eine komplette Überholung des Motors mitsamt Getriebe und der beiden Turbolader sinnvoll sein würde. So fingen wir an, das Triebwerk mitsamt Tank und Wassersystem auszubauen. Nach der Zerlegung des Motors mit Getriebe betrachteten wir das Kühlsystem genauer. Auch hier wurde schnell klar, dass nur eine Grundüberholung sinnvoll war. Ebenso war der Tank durch den Zahn der Zeit gezeichnet und wurde komplett getauscht, um zukünftige Leckagen oder Fehlfunktionen zu vermeiden.
Während der Arbeiten am Motor kümmerte sich der ehemalige Fahrwerksmechaniker von keinem geringerem als Stefan Bellof um genau diese Komponenten an dem Porsche 962. Durch dessen Fachwissen und Erfahrung stellten wir fest, dass auch hier kein Weg um eine Instandsetzung führen würde. Parallel zur Instandsetzung des Fahrwerks wurde auch die Bremsanlage erneuert.
Nachdem die Generalüberholung der Motorteile abgeschlossen war, konnten wir damit beginnen, die Motoreinheit wieder Stück für Stück zusammenzubauen. So fand der Motor allmählich den Weg zurück ins Chassis. Damit war der erste Meilenstein in der Instandsetzung des Rennwagens geschafft. Allerdings mussten wir bei ersten Probeläufen feststellen, dass die Elektronik und die Motorsteuerung ebenfalls noch teilweise repariert werden mussten. Nachdem die Fehler identifiziert waren, konnten wir uns um die Motorsteuerung kümmern und die finale Abstimmung des Motors vornehmen.
Ab diesem Zeitpunkt ging es nur noch darum, alle Teile wieder perfekt an ihren Platz zurückzubauen. So wurden die Fahrwerksteile mit Kühlung wieder eingebaut und die Verkleidung mitsamt Spoiler an ihren Befestigungspunkten verschraubt. Final wurde dann noch die neue Scheibe eingesetzt.
Der Porsche 962 war somit bereit für den letzten Meilenstein der Instandsetzung: Die Probefahrt stand an. Einmal prüfen, ob die Turbolader ordnungsgemäß den Ladedruck liefern, die Gänge sich schalten lassen und ob der Rennwagen auch unter Last trocken läuft, ohne Öl zu verlieren. So standen nahezu alle unsere Mitarbeiter bereit, um den Moment festzuhalten oder technisch zu unterstützen. Am Lenkrad saß unser Senior-Chef und Namensgeber Hermann Rüttger, dessen umfassende Erfahrung mit dem Porsche 962 sich als unschätzbarer Vorteil erwies. So ging es los. Den Gang eingelegt und raus auf die Strecke. Die Gänge lassen sich schalten, die Turbolader packen zu. Alles wie es sein soll. Der 962 rollt zurück auf den Hof. Kurzer Check an der Technik, um nochmal herauszufahren. Auch der zweite Lauf erweist sich als gelungen.
Noch ein kurzer Termin mit Fotograf und Videograf, um das Gesamtkunstwerk festzuhalten, bevor es wieder in unsere Halle der Porsche-Experten geht.
Bevor der 962 unsere Halle verlassen durfte, widmeten wir uns der Wiederherstellung der zeitlich korrekten Logos der neunziger Jahre. Ähnlich wie beim 911 SCRS zuvor wurden Bilder aus den Rennen mit dem Ist-Zustand verglichen. Dabei fiel auf, dass die Jägermeister-Logos sowie die Folierung des Vorderwagens nicht korrekt waren. So entschlossen wir uns, die Logos neu erstellen zu lassen, um ein perfektes Erscheinungsbild zu erschaffen. Als letzter Schliff wurde noch der Scheibenkeil verklebt.
Der Rennwagen kann nun dem Kunden übergeben werden.
Wir als Firma sind stolz, uns und unsere Mitarbeiter durch solche Projekte präsentieren zu können. Diese Aufgaben sind nur möglich, wenn Jung und Alt zusammenarbeiten und das gesamte Wissen der vorangegangenen Generationen weitergegeben wird. Nur durch den Austausch von Wissen und frischen Ansätzen gelingt es immer wieder, den perfekten Weg zu finden, um solche Aufgaben erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Damit stellen wir auch sicher, dass unsere jungen Mitarbeiter ebenfalls top geschult sind und wir absolut zukunftssicher aufgestellt sind, wenn es darum geht, sich um alte Porsche-Modelle zu kümmern.
Der Jägermeister-Porsche 962 war ein weiteres Großprojekt, das wir erfolgreich abschließen konnten. Zuvor hatten wir bereits in Rekordzeit einen Porsche 935 wieder fitgemacht, damit dieser in Goodwood an den Start gehen konnte. Mehr dazu lest ihr hier.
Mit dem Porsche 911 SCRS konnten wir ebenfalls unsere Kenntnisse als Porsche-Experten unter Beweis stellen. Diesen Blogbeitrag lest ihr hier.
Durch jahrzehntelange Erfahrung im Motorsport und im Umgang mit Porsche sind wir der Ansprechpartner, wenn es darum geht, solche Projekte umzusetzen. Egal ob Porsche 911 oder Exoten wie den Porsche 962. Unsere Werkstatt bietet die Kapazitäten und die Expertise, solche umfangreichen Arbeiten durchzuführen.
Wenn ihr euren Porsche in erfahrene Hände geben wollt, sei es für einen Service oder umfangreichere Arbeiten, dann seid ihr bei uns genau richtig!