Porsche 911 SC/RS Rallye-Elfer zurück im historischen Kleid! Der Porsche 911 SC/RS, intern auch als 954 bekannt, war Porsches Versuch, die Rallye-Weltmeisterschaft aufzumischen. 1983, in der Blütezeit der Gruppe B der Rallye-WM, kein einfaches Unterfangen. Trotz Kontrahenten wie dem Audi Quattro und Lancia's 037 entschied man sich bei Porsche, ein Evolutionsmodell des 911 SC Rallye in Auftrag zu geben.
Im Rahmen des Reglements der Rallye-Weltmeisterschaft durfte auf Basis eines bereits homologierten Autos nach Auslaufen der Bauzeit nochmals nachgeschärft werden, allerdings mit der Auflage, dass die Stückzahl des Evolutionsmodells ein Zehntel des homologierten Vorgängers betragen musste. Da die Homologation mindestens 200 Fahrzeuge vorsah, mussten also 20 Porsche 911 SC/RS gebaut werden. Schlussendlich wurden es 21 Stück.
Um den Elfer konkurrenzfähig zu machen, spendierte man der ursprünglichen Turbokarosse einen Heckspoiler, eine Aluminiummotorhaube und -türen sowie dünneres Glas und Stoßstangen aus neumodischem GFK. Der Motor erhielt gegenüber dem Serienantrieb ein höheres Verdichtungsverhältnis von 10,3:1, Schmiedekolben, eine verbesserte mechanische Einspritzung sowie Zylinderköpfe, die direkt vom Porsche 935 übernommen wurden. So betrug die Motorleistung trotz der Nutzung des 3.0-Liter-911-SC-Motors 250 PS und im Rennbetrieb sogar bis zu 280 PS. Somit lag man nur knapp unter dem stärksten Serien-Porsche der Zeit, dem 911 Turbo. Durch eine Trockensumpfschmierung wurde der Motor mit Öl versorgt, welches vorher durch zwei Kühler, die jeweils links und rechts im Bug saßen, gekühlt wurde. Dabei verliefen die Leitungen zum Motor auf der rechten Karosserieseite und auf der linken Seite wieder zurück. Um Vortrieb und Laufleistung auf die jeweiligen Gegebenheiten anpassen zu können, standen drei Achsantriebe zur Wahl und ein Sperrdifferenzial mit bis zu 40 % Sperrwirkung.
Um den gnadenlosen Bedingungen des Rallye-Sports standzuhalten, wurde die Bremsanlage vergrößert. Hier wurde auf Technik aus dem legendären Porsche 917 zurückgegriffen. Der Unterboden mit einem Blechschutz verstärkt und ein Überrollkäfig aus Aluminium eingebaut. Um auch bei Nacht den vollen Durchblick zu behalten, wurde der Leichtbaumotorhaube eine Scheinwerferbatterie aufgesetzt.
Der bei uns eingetroffene SC/RS wurde 1984 bei der Tour de Corse durch den Privatier Christian van Dijk eingesetzt. Ursprünglich waren mehrere Rallye-Events angedacht, doch es blieb nur bei dem einen Einsatz. Trotz fehlender Sponsoren schaffte es der Privatier mit seinem Co-Piloten auf den 14. Gesamtrang. Damit waren sie der erstplatzierte Porsche unter allen Teilnehmern. Dass der Rallye-Porsche ohne Sponsoren an den Start ging, war sehr ungewöhnlich, vor allem bei einem Fahrzeugpreis von 188.000 DM ohne den Rallyeumbau, dieser schlug nochmals mit 30.000 D-Mark zu buche. Genau deshalb entschied sich Christian van Dijk für eine Beklebung mit der Aufschrift „SPONSORS?“. Der Porsche überstand den Ausritt auf Korsika glücklicherweise ohne Beschädigung oder Defekte. Dies unterscheidet dieses Exemplar von vielen anderen SC/RS, welche die Rallye üblichen Kampfspuren aufweisen. Der Porsche blieb bis 2004 in den Händen von van Dijk, danach wechselte er nur einmal den Besitzer. Der SC/RS wurde immer wieder für seinen unveränderten Originalzustand gelobt. Kein Wunder also, dass der SC/RS bei der Versteigerung 2024 auf über 2 Millionen Euro geschätzt wurde. Zusammen mit dem Auto wechselten auch die originalen Blechschilder der Rallye Tour de Corse aus 1984 sowie die Wegekarten, die originale Schweizer Zulassung sowie eine Kopie des Kundenauftrags an das Porschewerk den Besitzer.
Aufgrund unserer Referenzen und jahrelanger Erfahrung mit dem Umgang im Einsatz von SC/RS, unter anderem bei der Targa Tasmania mit Walter Röhrl oder Bob Wollek am Steuer, wurden wir damit beauftragt, den Porsche gründlich durchzuchecken. Nicht unerheblich hierfür war auch unsere Expertise zum Porsche 911 G-Modell, auf welchem der SC/RS basiert.
Bei der Bestandsaufnahme waren wir über den guten optischen Zustand sehr erfreut. Der Elfer wirkte nicht wie ein im Rallyesport eingesetztes Fahrzeug. Überrascht waren wir doch über den technischen Zustand. Dieser erwies sich als sehr schlecht. Defekte Radlager, zähfließendes Öl, kaputtes Fahrwerk, alte Reifen.... Von einem fahrbereiten Zustand konnte keine Rede sein. Einen professionellen Service hatte dieser 911 SC/RS lange nicht mehr gesehen.
Somit wurde der SC/RS zum Komplettprojekt, welches uns die über Jahrzehnte gewachsene Expertise und Kompetenz im Umgang mit solchen historischen Sportwagen abverlangte. Solch ein Handwerk ist zunehmend seltener geworden und stirbt leider immer weiter aus. Umso mehr freut es uns, dass wir dieses Wissen im Betrieb haben, erhalten und an die nächste Generation weitergeben können, damit eben genau solche Fahrzeuge auch in Zukunft weiter fahrtüchtig erhalten bleiben.
Nach dem umfangreichen Aufbau war der SC/RS für den letzten Schritt, den er bei uns durchlaufen musste, bereit. Der optische Zustand war zwar erfreulich, aber keineswegs vollständig. In mühevoller Recherche haben wir anhand von Bildern die Beklebung der Tour de Corse rekonstruiert. Die Folie wurde an denselben Stellen angebracht wie 1984. Somit erstrahlte der SC/RS wieder im Glanz von damals!
Sollte euch der Artikel davon überzeugen, wie wichtig Details gerade bei älteren Fahrzeugen sein können, dann zögert nicht und macht hier einen Termin zur Durchsicht aus oder fragt unverbindlich einen Termin an.
Falls euch dieser Artikel gefallen hat, dann stimmt euch jetzt schon auf den nächsten Blogbeitrag ein! Es wird schnell und legendär!